Fotosinn
Wenn das Objektiv wirklich objektiv wäre, hätte die Fotografie nichts mit Kunst zu tun, da es jedoch sehr subjektiv sein kann, ist es ebenso reich an Ausdrucksmöglichkeiten wie Meißel, Pinsel oder Zeichenstift
Die ersten 10000 Aufnahmen sind die schlechtesten
Ein Foto sollte stets ein bezeichnendes Dokument sein, eine überzeugende Aussage
Das Auge macht das Bild, nicht die Kamera
Fotografie ist die Trauer über die vergängliche Zeit und das Bedürfnis, einige Augenblicke festzuhalten – die Materialisierung gewisser Emotionen in gewissen Momenten. Es gibt formale Emotionen, hervorgerufen durch Licht oder Form, sentimentale oder sensuelle, die durch Menschen ausgelöst werden, und rein intellektuelle. Die Fotografie kann sie vereinen und daraus neue schaffen … Fotografie ist unlösbar mit der Zeit verknüpft, die sie festhält: Mit der Zeit, die zwischen den Fingern, zwischen den Augenblicken zerrinnt, mit der Zeit der Dinge und Menschen, des Lichts und der Gefühle. Die Zeit wird nie mehr das sein, was sie war
Heute kann man alles fotografieren
Die Kamera kommt nicht umhin zu lügen; die Entscheidung, welche Art von Lüge man zeigen will, ist im Grunde der eigentlich schöpferische Akt der Fotografie
Wenn du die Fotos ein paar Minuten ansiehst, dann fangen sie an zu sprechen. Und wenn du ganz in das Bild hineingekrochen bist, dann sprechen sie
Es ist ebenso wenig ein Zufall, dass der Fotograf Fotograf wird, wie es Zufall ist, dass der Löwenbändiger Löwenbändiger wird
Die Fotografie interpretiert nicht, sie hält authentisch fest, wie sich etwas zu einem gewissen Zeitpunkt, der niemals wiederkehrt, ereignet hat
Fotografie heißt Bedeutung schenken
Die Tatsache, dass Menschen mit zwei Augen, aber nur einem Mund geboren werden, lässt darauf schließen, dass sie zweimal soviel sehen als reden sollten
Ein Bild sollte man anschauen – nicht darüber reden
Ich liebe Symbole. Man fotografiert etwas Banales und gibt es anders wieder. Die Leute verstehen sofort und sagen: Ach, so habe ich den Eiffelturm, die Freiheitsstatue noch nie gesehen! In diesem Moment weißt du, dass du etwas geschaffen hast
Jeder kann knipsen. Auch ein Automat. Aber nicht jeder kann beobachten. Fotografieren ist nur insofern Kunst, als sich seiner die Kunst des Beobachtens bedient. Beobachten ist ein elementar dichterischer Vorgang. Auch die Wirklichkeit muss geformt werden, will man sie zum Sprechen bringen
Die Kamera ermöglicht mit spielerischer Leichtigkeit die Begegnung mit jener anderen Wirklichkeit
Ich fotografiere, was ich nicht malen möchte und ich male, was ich nicht fotografieren kann
Die Fotografie braucht das Drama
Fotografieren heißt weglassen
Ein gutes Foto ist ein Foto, das man länger als eine Sekunde ansieht
Fotografieren heißt den Atem anzuhalten, wenn sich im Augenblick der flüchtigen Wirkung all unsere Fähigkeiten vereinigen. Kopf, Auge und Herz müssen dabei auf eine Linie gebracht werden. Fotografieren, das ist eine Art zu schreien, nicht aber, seine Orginalität unter Beweis zu stellen. Es ist eine Art zu leben
Fotografieren ist wie Bogenschießen: richtig zielen, schnell schießen, abhauen
Fotografieren bedeutet gleichzeitig und innerhalb von Sekundenbruchteilen zu erkennen – einen Sachverhalt selbst und die strenge Anordnung der visuellen wahrnehmbaren Formen, die ihm seine Bedeutung geben. Es bringt Verstand, Auge und Herz auf eine Linie
Wer sehen kann, kann auch fotografieren. Aber sehen lernen, das kann lange dauern
Fotografieren Sie Ihr Leben. Wenn Sie es verlieren, haben Sie immer noch das Foto
Wer als Anfänger die Gestaltungsregeln der Fotografie ignoriert, hat keinen Verstand. Wer sich aber fotolebenslang daran klammert, hat keine Phantasie
Bilder sind Brücken zu den Erinnerungen, stellte Robert de Flers fest: Es hat sich in meinem Geist geformt, als ich einmal die Namib-Wüste durchquerte, an einer Düne mein Nachtlager aufschlug und im Schein des Lagerfeuers Fotos von Zuhause anschaute. In diesem Moment saß ich nicht alleine mitten in einer Wüste, sondern zu Hause an einem reich gedeckten Tisch mit allen meinen Freunden und Familie
Nach meiner Ansicht kann man nicht behaupten etwas gesehen zu haben, bevor man es fotografiert hat
Wir wissen doch alle, dass wir pro Jahr vielleicht ein wirklich gutes Foto zustande bringen
Zu all den Dingen, die wir nicht sehen können, gesellen sich noch die Dinge, die wir nicht sehen wollen, weil wir uns entschieden haben, sie zu ignorieren. Im Augenblick habe ich zum Beispiel beschlossen, das Geräusch meines Atems, das Gefühl des Rings an meinem Finger, den Anblick der Brille direkt auf meiner Nase, ja sogar den der Nase selbst zu ignorieren. Die Blende einer Kamera und die Pupille sind nicht dazu da, Informationen hereinzulassen, sondern dazu, welche auszublenden. Wer je eine Kamera in der Hand hatte weiß, dass zuviel Information einen genauso blind machen kann wie zuwenig. Wenn Sie sich alle neun Sinfonien von Beethoven gleichzeitig anhören wollen, würden Sie nur den Krach hören
Fotografieren heißt sehen lernen
Die Tatsache, dass eine (im konventionellen Sinn) technisch fehlerhafte Fotografie gefühlsmässig wirksamer sein kann als ein technisch fehlerloses Bild, wird auf jene schockierend wirken, die naiv genug sind zu glauben, dass technische Perfektion den wahren Wert eines Fotos ausmacht


